SenTaBlu: Bürgerantrag blühender Gertrudisgarten

Ein Beitrag zu einer generationengerechten Nordstadt

Für die anstehende Sanierung und Neugestaltung des Spielplatzes Maxstraße will die Stadt satte 298.590,04 Euro ausgeben. Daß dieser Platz aber seit geraumer Zeit von BewohnerInnen der Nordstadt  gepflegt wird, scheint von der Bezirksvertretung übersehen worden zu sein. Der Spielplatzverein Bonner Altstadt e.V. hat sich des Platzes angenommen und mit der Errichtung eines Klettergerätes wurde dieser, durch Spenden finanziert, aufgewertet. Parallel wurde dort im Rahmen des Projektes essbare Stadt ein Urban Gardening Projekt realisiert.

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SenTaBlu: Lebendige Begegnungsstätte mit buntem Programm für Senioren

Angesichts dieser ergriffenen Initiative von BewohnerInnen der Altstadt stellt sich die Frage, ob das vorgesehene Geld für die Neugestaltung nicht an anderer Stelle besser verwendet wäre. Sicherlich ist die lange Planungsdauer von 8 Jahren mit ein Grund für die in vielen Augen verfehlte Verwendung der Mittel. Schade, daß unsere Bezirksvertretung offenbar nicht realisiert, daß der Spielplatz mittlerweile durch BewohnerInnen in Eigeninitiative optimiert wurde und wird.

An anderer Stelle im Bezirk droht währenddessen ein Notstand. Die geplante Schließung der Seniorenbegegnungsstätte SenTaBlu ist eine Katastrophe für die Betroffenen. Da stellt sich die Frage, ob die für den Spielplatz bewilligten Mittel woanders nicht besser verwendet werden können.

Jetzt werden Unterschriften zur Unterstützung des Bürgerantrags Gertrudisgarten gesammelt, um den Erhalt der für unser Viertel so wichtigen Begegnungsstätte zu sichern.

Wir wünschen dabei viel Erfolg, unterstützen den Antrag nach Kräften und hoffen, daß hier unsere Bezirksvertretung flexibel wie die BewohnerInnen der Altstadt handelt.

Die Antragsteller des Bürgerantrags Gertrudisgartenbegrüßen ausdrücklich die anstehende Neugestaltung des Spielplatzes Maxstraße und die geplante Ausstattung mit Spielgeräten, auf die die Kinder seit Jahren warten.

Gleichwohl bietet die seitens des Oberbürgermeisters vorgelegte Planung Anlass zu fragen, in wie weit die notwendige Haushaltskonsolidierung generationengerecht erfolgt. Mit dem Argument des Sparzwangs setzte der Oberbürgermeister die Schließung der Seniorenbegegnungsstätte Blumenhof auf die sogenannte Giftliste, um den Haushalt jährlich um 9 600 Euro zu entlasten. Nur wenige Monate später legt der Oberbürgermeister eine 298 000 Euro teuere Neugestaltung des Spielplatzes Maxstraße der Politik zur Beschlussfassung vor, die unter anderem teuere Sitzmauern aus Natursteinen zur Abtrennung der Beete einer urban gardening – Gruppe von den eigentlichen Spielplatzflächen enthält. Diese Art der Prioritäten-setzung empfinden wir als sozial ungerecht. Es ist schwer nachvollziehbar, dass zur Haushaltskonsolidierung gravierende Verschlechterungen der Lebensqualität bedürftiger Senioren unumgänglich sein sollen, während noch genügend Geld für luxuriöse Materialien zur funktionalen Gliederung eines Spielplatzes vorhanden zu sein scheint.

Wir stellen uns die Frage, warum den Mitgliedern des Bau- und Vergabeausschusses das bereits seit Mitte Juni vorliegende Sparpotential von fast 17 000 Euro für die Beratung nicht zur Verfügung gestellt wurde. Auch können wir nicht nachvollziehen, dass der Ausschuss nach einer längeren Diskussion auf Betreiben der Grünen schlussendlich auf eine Kostendeckelung auf maximal 280 000 Euro verzichtet hatte. Kostendeckelungen gehören zu den sonst üblichen Sparmaßnahmen (z.B. Kinderbecken im Römerbad). Bei allem Verständnis für den seitens der Grünen eingefordeten „besonderen Charme“ für diesen Spielplatz, hinkt der Vergleich mit den geplanten Spielplätzen in Tannenbusch doch. Diese werden im Rahmen der sozialen Stadt mit Fördermitteln des Landes umgestaltet, belasten also den städtischen Haushalt nicht in dem Masse. Frau Poppe als Ratsfraktionsvorsitzende der Grünen und Mitglied der BV Bonn hatte sich für die Beachtung des einstimmigem Beschlusses der BV Bonn zum Spielplatz Maxstraße im Bau- und Vergabeausschuss stark gemacht. Wir hätten uns gewünscht, dass sich Frau Poppe in gleicher Weise für die Beachtung des ebenfalls einstimmigen Beschlusses der BV Bonn zum Erhalt der SenTABlu eingesetzt hätte.

In wenigen Monaten wird sich zeigen, ob die von Frau Ingenkamp (BBB) bei den Haushaltsberatungen des Stadtrates vorgetragene Einschätzung richtig war: Hat die Jamaika-Koalition den einstimmigen Beschluss der BV Bonn auf Erhalt der SenTaBlu im Rat wieder gekippt, indem die Rahmenbedingungen für den neuen Träger so gesetzt wurden, dass sich keiner finden lässt? Bis heute ist den ca. 25 bedürftigen Senioren eine verbindliche dauerhafte Regelung nicht bekannt, wo sie nach der drohenden Schließung der SenTaBlu ihre wöchentliche Lebensmittellieferung der Bonner Tafel wohnungsnah abholen können. Ebenso wage sind die Zusagen der Verwaltung, wonach die Senioren aus dem Blumenhof zur Breite Straße gefahren würden.

Die Mehrheit der BesucherInnen der SenTaBlu möchte in der vertrauten Umgebung bleiben und nicht zur Breite Straße wechseln sondern am gewohnten Quartiersleben weiterhin teilhaben. Die durch den städtischen Abbau sozialer Infrastruktur für Senioren im Macke-Viertel und der Nordstadt drohende Versorgungslücke möchten die Antragsteller gemeinsam im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Angeboten für Senioren wieder füllen und ihre bisherige Arbeit weiter intensivieren.

Freiraum ist in der Nordstadt knapp. Dies gilt für alle Generationen, auch für Senioren im Macke-Viertel. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich, dass der Spielplatz Maxstraße zu einem Freiraum für alle Generationen (also auch für die Generation 55+) entwickelt werden soll und möchten unseren Beitrag zur Gestaltung und Pflege des Platzes leisten. In das Projekt beabsichtigen wir, auch die BesucherInnen der SenTaBlu im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten einzubeziehen.

Nach Informationen der Antragsteller soll in den Kosten von 298 000 Euro eine Summe von ca. 10 000 Euro für die Bepflanzung der Randstreifen und eine dreijährige Anwuchspflege enthalten sein. Die Antragsteller sind der Meinung, dass der soziale Nutzen für die Bewohner der Nordstadt größer sei, wenn das Geld statt in Sträucher in Projekte zur Förderung der Teilhabe bedürftiger Senioren und des Miteinanders der Generationen fließen würde. Wir würden gerne die Anlage und Pflege dieser Randstreifen übernehmen und hoffen, dass die Stadt uns im Gegenzug an den durch unser Engagement „ersparten Kosten“ teilhaben lässt, damit wir mit diesem „Startkapital“ weitere Projekte zugunsten bedürftiger Senioren realisieren können.Hildegard Kinzel im Namen der Antragsteller

Torsten

Geboren in Bonn und aufgewachsen in Bonn und Italien tingelte der Autor durch die Welt, lebte in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Köln und Berlin und kehrte 2003 mit viel Heimweh zurück in seine wunderschöne Heimatstadt. Inmitten einer großen Patchworkfamilie mit zwei wundervollen Kindern kümmert er sich um Meine-Altstadt-Bonn.de. Wenn er nicht skifahren ist...

2 Kommentare

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  • Zwei Korrekturen, das Spielgerät auf dem Spielplatz Maxstraße wurde komplett von der Stadt finanziert und nicht vom Spielplatzverein. Und das Gartenprojekt ist eine autarke Eigeninitiative von Eltern, es liegt aber aufgrund des bevorstehenden Umbaus z.Zt. weitestgehend brach. Es hat mit den Initiatoren des Projektes “Essbare Stadt” nichts zu tun. Zukünftig ist eine naturpädagogische Nutzung des Garten-Bereichs für Kinder angestrebt.
    Der Spielplatzverein hat bei der Planung beratend zur Seite gestanden – quasi als “Stimme der Eltern”. Die Aktivität des Spielplatzvereins beschränkt sich aktuell auf regelmäßigen Schließ- und Aufräumdienst (bin selber Spielplatzpate). Es ist nicht so, dass der Spielplatzverein den Spielplatz in Eigenregie optimiert. Das übersteigt unsere Möglichkeiten des Engagementes. Richtig ist, dass wir auf die volle finanzielle und bauliche Ausstattung des Spielplatzes Maxstraße durch die Stadt angewiesen sind.

    Dieser Spielplatz hat eine zentrale Funktion für die Altstadt und wird ein Schmuckstück, wenn er 2016 (hoffentlich) in neuem Glanz erstrahlt. Ein Freiraum für alle ist der Spielplatz sowieso, es gibt keine Altersbeschränkung für die Nutzung.

    Davon abgesehen, ich unterstütze absolut den Erhalt der SenTaBlu.

    Matthias Oberschelp (Spielplatzverein Bonner Altstadt)

  • Hallo Herr Oberschelp,

    danke für Ihre Anmerkungen. Im AK “Rettet SenTaBlu” haben wir jemanden, der auch in der Gruppe für das naturpädagogische Projekt aktiv ist.

    Offensichtlich halten wir die selben Werte hoch. Das freut mich.
    Leider sieht es im Rat anders aus, dort, wo eigentlich ein gerechter Ausgleich zwischen verschiedenen Gruppen und ihren Ansprüchen herbeigeführt werden sollte(siehe oben).

    Die Positionierung der Grünen irritiert besonders. Beim Spielplatz Maxstraße darf es ruhig auch ein Scheibchen (17 000 Euro) mehr sein, während sie keine Skrupel haben, bedürftigen alten Menschen zu erklären, die Stadt müsse sparen und die SenTaBlu deshalb schließen. Im Unterschied zu SPD, BBB, Linke und Piraten haben die Grünen auch gegen den Antrag von Ernesto Harder im Rat gestimmt, die SenTaBlu zu erhalten und im Bürgerausschuss am 13.08 sich auch als einzige Partei klar für die Schließung positioniert. Mangels Geld müsste man Angebote für Senioren in der Breite Straße konzentrieren.

    Kurze Beine brauchen kurze Wege, alte Beine auch. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Senioren aus dem nördlichen Macke-Viertel ca. 2 Stunden pro Besuch der Breite Straße insgesamt unterwegs. Das halten die Grünen für zumutbar, wir nicht.

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