OB Jürgen Nimptsch beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten

Im Ghetto: OB Jürgen Nimptsch, die Stadt und die Randalierer vom Frankenbad

Rosenmontagsrandale am Frankenbad oder Ghetto-Mütter für Jürgen?

Laut OB Jürgen Nimptsch geben die alternativen Karnevalsveranstaltungen der letzten Jahre auf dem Frankenbadplatz Anlass zur Sorge. So wäre 2014 der Rosenmontagszug vom Platz aus mit Flaschen beworfen worden. Aha! Auch hätten Menschen in die Hauseingänge uriniert. Igitt! Und die Party wäre bis weit nach 20.00 Uhr gelaufen. Hört Hört!

Schade, dass sich der OB, ausser zu Wahlkampfzeiten, so selten blicken lässt hier in unserer wunderschönen Altstadt. Denn sonst hätte er sich letztes Jahr einen Einblick in unseren, mittlerweile schon identitätstiftenden, alternativen Karneval verschaffen können. Und er hätte bemerkt, dass diese Veranstaltung gut besucht, gut gelaunt und vor allem gut organisiert abläuft.

Und er hätte dann auch bemerkt, dass urinierende, kotzende, schwankende oder sonstwie übel zugerichtete Gestalten in der gesamten Stadt lungern. Ob das in Zusammenhang mit Karneval steht, bleibt zu untersuchen. Wahrscheinlicher ist ein Komplott der alternativen Karnevalisten vom Frankenbad, die den allgemeinen Aufruhr für subversive Aktivitäten nutzen und ahnungslosen Traditionalisten heimtückisch KO-Tropfen in den kleinen Feigling kippen. Schlimm, schlimm.

Das erklärt dann wahrscheinlich auch die Jahr für Jahr überproportional vertretene Ordnungsmacht in Gestalt von Ordnungsamt und Polizei. Man kann ja nie wissen. Vielleicht geht im Stadthaus die Angst um, dass wir unser eigenes Viertel, in dem unsere Kinder aufwachsen und wir den Traum einer funktionierenden solidarischen Gemeinschaft leben, in Schutt und Asche legen.

Es gibt nur einen Karneval

Wundern tut mich schon lange nichts mehr in Bonn. Aber das solche offensichtlichen Lügengeschichten seitens der Stadt verbreitet und in Stellung gebracht werden, steigert mein Unwohlsein mit den Zuständen hier enorm. Es scheint, als wirkten hier verschiedene Kräfte gegen eine lebendige, alternative Karnevalskultur. Die Traditionalisten des Bonner Karneval wünschen keine Konkurrenzveranstaltung. Das ist der Punkt.

Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, ob Karneval nicht auch frei gelebt und gestaltet werden kann und vielleicht sogar muss. Und nicht nur der Karneval. Denn die Signale der Stadt uns gegenüber zeigen, dass offensichtlich ein tiefes Misstrauen gegenüber den lebendigen und gestaltenden Kräften in unserem Viertel herrscht.

Auch ich sitze im Sommer oft am Frankenbad, trinke Bier, grille, spiele verbotenermaßen Fussball mit den Kindern und geniesse dieses wunderschöne Gefühl, in einem lebendigen Viertel ohne Anonymität zu leben. Manchmal sind wir zu laut, zu fröhlich, zu glücklich und wahrscheinlich auch zu viele. Aber wir übernehmen Verantwortung für unser Viertel, für unsere Mitmenschen und vor allem für uns.

Scherben bringen Glück

An dieser Stelle möchte ich Herrn Nimptsch einladen, einmal im Sommer Sonntags morgens auf den Frankenbadplatz zu kommen und mit mir die Scherben der Nacht davor zu beseitigen. Ja, auch mich ärgern die Scherben. Schliesslich spielen auch meine Kinder dort. Aber statt das Ordnungsamt zu bestellen, einen Anwalt zu aktivieren und wegen einiger weniger unangenehmen Randerscheinungen alle auf dem Platz befindlichen Menschen zu bekämpfen, hole ich mir einfach einen Besen vom Caféroller oder aus dem Schwimmbad oder von Mohammed und mache den verdammten Platz sauber.

Das dauert 5 Minuten, manchmal 10, aber belohnt werden wir dann, lieber Jürgen, von den dankbaren Blicken der dort anwesenden Mütter, die jetzt nicht ständig aufpassen müssen, dass sich ihre Kinder verletzen. Und ich weiß aus sicherer Quelle, Jürgen, dass es hier noch einige alleinerziehende Mütter gibt, die auf den Ritter in der weißen Rüstung warten, der sie aus dem Ghetto der Altstadt befreit.

In diesem Sinne – ein dreifaches Ghetto-Alaaf!

Update:

Lieber Jürgen,

anbei ein Video meines guten Kumpels Ernst Erwin, welches in jeder Beziehung deine weisen Aussagen eindrucksvoll illustriert und uns klar macht: Der Karneval muss weg! So ordentlich darf ein echter Rheinländer nicht feiern.

Update:

Offensichtlich hat Jürgen (Entschuldigung, der sehr verehrte Herr Nimptsch) schlechte Social Media Berater, denen das, zugegebenermaßen recht sperrige englische Wort “Monitoring”, fremd ist. Aber soeben erreicht uns die gerade jetzt veröffentlichte Pressemitteilung des Oberbürgermeisters zum Rosenmontag. Aber lest selbst (Chips, popcorn, yeah!)

Fotoquelle: Fotoservice der Stadt Bonn, Fotograf: Michael von Lingen

Torsten

Geboren in Bonn und aufgewachsen in Bonn und Italien tingelte der Autor durch die Welt, lebte in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Köln und Berlin und kehrte 2003 mit viel Heimweh zurück in seine wunderschöne Heimatstadt. Inmitten einer großen Patchworkfamilie mit zwei wundervollen Kindern kümmert er sich um Meine-Altstadt-Bonn.de. Wenn er nicht skifahren ist...

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