Die Zukunft des Frankenbades – Heute: der Blick nach Wolfsburg

Es kommt Bewegung in die Diskussion um die Zukunft der Bonner Schwimmbäder. Nachdem OB Ashok Sridharan gestern die Pläne der Politik für die einzelnen Bäder vorgestellt hat, wird klar, daß die favorisierte Lösung ein Neubau im Wasserland und die Schließung von Kurfürsten- und Frankenbad  ist.

Schließen und Abreißen oder Umbau und neue Nutzung?

Doch welcher Nutzung soll das Frankenbad dann dienen? Für Werner Hümmrich von der Bonner FDP scheint klar, daß die Stadt, angesichts klammer Kassen, das Grundstück vergolden und an einen privaten Investor veräußern sollte. Da will man sich gar nicht vorstellen, was dann aus dem für unser Viertel so wichtigen Begegnungsort werden könnte.

Die Diskussion ist nun eröffnet und auch der sich in Gründung befindende Verein der Freunde des Frankebades wird sich jetzt in die Diskussion einschalten und die Interessen der Altstadt-Bewohner vertreten.

Wir wollen an dieser Stelle einmal über den Stadtrand hinaus in einer kleinen Artikelserie zeigen, wie andere Kommunen mit zu schließenden Bädern umgehen und diese umwandeln in Begegnungs- und Kulturzentren, die wichtige Impulse für ein dynamisches Stadtleben setzen.

Und dazu beginnen wir heute mit dem Hallenbad Kultur am Schachtweg in Wolfsburg.

innen
Das Wolfsburger Hallenbad in den 60ern

Eines fällt bei der Betrachtung dieses Bades sofort auf. Und zwar die Ähnlichkeit der Architektur mit dem Frankenbad. Und wie auch in Bonn öffnete dieses Bad seine Pforten im Jahre 1963. Und auch hier wurde das Bad 2002 geschlossen, um den Neubau eines Kombibades zu finanzieren. Daraufhin gründete die Stadt die Hallenbad – Zentrum junge Kultur GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadt Wolfsburg als Betreiberin des Bades.

Bewusst wurden einige Bereiche nur substanziell hergerichtet, um die behördlichen Auflagen und notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu gewährleisten. Auch aus pädagogischen Gründen sollten Teilbereiche von den jeweiligen Nutzern selbst fertig gestellt werden, z. B. die Proberäume und die Ateliers. Auch wurde auf eine möglichst große Alltagstauglichkeit und Dauerhaftigkeit der verwendeten Materialien Wert gelegt.

Kultur- und Begegnungszentrum für alle Bürger

Im Hallenbad finden zahlreiche Veranstaltungen aller Richtungen statt. Konzerte, Lesungen. Theater, Workshops und Seminare, Tanzkurse und vieles mehr findet hier ein Zuhause und belebt das Quartier. Die Schwimmbecken wurden zu Bühnen, im Atrium befindet sich eine Gastronomie, es gibt einen Club im Keller und einen Jugendtreff mit eigenem Außengelände. Wir finden, daß hier eine sinnvolle Nutzung im Sinne des Denkmalschutzes und für alle Bürger geschaffen wurde und heute viel zum kulturellen Leben in Wolfsburg beisteuert. Davon zeugen auch die zahlreichen Videos auf Youtube. Zusätzlich bietet das Hallenbad Räumlichkeiten für Firmenevents und Präsentationen mit Catering der dort ansässigen Gastronomie.

So scheint das Hallenbad niemals »fertig« zu sein, und das ist auch gut so: So wie inhaltlich Dinge in Bewegung bleiben, verändert sich auch das Haus kontinuierlich weiter.

Kostengünstig mit großer Wirkung – ein Modell für Bonn?

Der Umbau
Der Umbau

Bemerkenswert in Wolfsburg sind auch die relativ geringen Kosten des Umbaus in Höhe von 2 Millionen Euro und dessen Geschwindigkeit im Jahr 2006 bis zur Eröffnung im April 2007.

Vielleicht sollten die Verantwortlichen unserer Stadt einmal ihre Kollegen in Wolfsburg besuchen. Beethoven 2020 steht vor der Tür und wir könnten der Welt zeigen, daß wir in Bonn Kultur leben und für unser Jubiläumsjahr eine Spielstätte der Extraklasse schaffen, die dann zur Belebung des kulturellen Lebens von allen Bürgern genutzt wird.

Hallenbad – Kultur am Schachtweg
Das Hallenbad – Kultur am Schachtweg heute

Eine Off-Location der besonderen Art würde hier ganz sicher auch von den “Bonner Riesen” Telekom und DHL und auch der UN begrüßt werden. Denn auch dort gibt es vitales Interesse an einer kulturell lebendigen Stadt. Und schließlich ergeben sich aus einem solchen Modell verschiedenste Möglichkeiten der Refinanzierung, nicht zuletzt auch durch die Vermietung der Räumlichkeiten als Orte mit besonderem Ambiente.

Für die Altstadt wäre es ein weiterer Baustein in der Entwicklung zum kreativen Viertel Bonns. Die Kreativwirtschaft als Impulsgeber für das Viertel, die Stadt und darüber hinaus könnte so einen weiteren wichtigen Ort erhalten, der allen Bürgern, Institutionen und Unternehmen dient und dem Viertel ein unverwechselbares Profil verleiht.

Das Schmökern in der Festschrift des Zentrums zum 5-jährigen Jubiläum lohnt sich. Und genau deshalb habe ich diese noch als PDF am Ende des Artikels beigefügt.

Webseite: www.hallenbad.de
Webseite der Stadt Wolfsburg zum Bad: http://www.wolfsburg.de/newsroom/2015/04/15/14/47/hallenbad-kultur-am-schachtweg

Die Festschrift:

Download (PDF, 3.93MB)

 

Torsten

Geboren in Bonn und aufgewachsen in Bonn und Italien tingelte der Autor durch die Welt, lebte in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Köln und Berlin und kehrte 2003 mit viel Heimweh zurück in seine wunderschöne Heimatstadt. Inmitten einer großen Patchworkfamilie mit zwei wundervollen Kindern kümmert er sich um Meine-Altstadt-Bonn.de. Wenn er nicht skifahren ist...

4 Kommentare

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  • Schöner Gedanke! Schöner Gedanke! Sollte man verfolgen wenn das Schwimmbad tatsächlich geschlossen werden muss.
    Die Zukunft von Frankenbad und Frankenbadplatz wird aber, meiner Befürchtung nach, eher Abriss und Blockbebauung durch einen Investor sein wenn CDU, FDP und Grüne sich durchsetzen.
    Die Stadt braucht das Geld aus dem Verkauf des Grundstücks um den Spaßbadneubau zu finanzieren. Die CDU will dort übrigens unter Umständen auch Außenbecken bauen also kann man sich schonmal auf die Diskussion um Schließung von Freibädern vorbereiten. Und so wie ich die Bonner Stadtgesellschaft einschätze werden keine Freibäder im Bonner Süden oder auf Bergen geschlossen.

  • Der Unwillen wenn es um das Frankenbad geht ist ja schon fast entlarvend. Sollte das Bad dichtgemacht werden, ohne eine Nachnutzung die sich im Rahmen von Begegnungstätte, Freizeit, Sport bewegt, denke ich nicht das auch der Vorplatz erhalten wird.

    Keinerlei Bäder mehr in den zentralen Stadtbezirken ist ein Skandal und ein weiteres Armutszeugnis für die Stadt Bonn. Das passiert wenn fällige Sanierungen immer weiter aufgeschoben werde. Ein Problem gemacht durch die Politik, ausbaden müssen es die Bürger.

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