Der Bonner SC fragt nach …bei den Telekom Baskets Bonn

Gastbeitrag des Stadionmagazins Blau Rot – Der Bonner SC ist wieder da, wo er einmal war. Mit der viel gefeierten Rückkehr in die Regionalliga West und einem tollen Saisonstart mit vier Heimsiegen in Folge steht der Verein sportlich so gut da, wie lange nicht mehr. Auch wirtschaftlich hat man sich nach der Insolvenz und dem schweren Schritt zurück in die Landesliga wieder gut aufgestellt. Der Verein arbeitet konsequent und zielstrebig an der weiteren Professionalisierung der Vereinsstrukturen.

telekom_baskets_bonn_logo-svg-002Die ersten positiven Effekte neben dem Platz sind dabei schon spürbar: der Bonner SC ist in aller Munde. Ob in den Medien oder bei den Bonner Bürgern an sich. Die ganze Stadt merkt, dass sich etwas tut im Bonner Fußball. Wir wollen es aber genauer wissen und fragen bei Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach. Wie wird die neue Entwicklung des Bonner SC wahrgenommen?

Unseren heutigen Fragen stellt sich der Präsident des Telekom Baskets Bonn e.V. und Geschäftsführer der BonBas GmbH, Wolfgang Wiedlich.

BLAUROT! Herr Wiedlich, wie nehmen Sie derzeit den Bonner SC wahr? Sind Sie als Basketballer auch Fußballfan?

WIEDLICH Als gebürtiger Bonner nehme ich nach dem sportlichen Aufstieg in die 4. Liga eine gewisse Aufbruchstimmung wahr, was Humus für eine wachsende Identifikation sein kann. Natürlich interessiere ich mich auch für Fußball und habe selbst als gebürtiger Kessenicher jahrelang beim FC Hertha Bonn gekickt. Das ist lange her, so Anfang/Mitte der 1970er Jahre. Damals bin ich auch regelmäßig ins Gronaustadion gegangen und habe die BSC-Heimspiele geschaut. Als wir dann 1974 am Friedrich-Ebert-Gymnasium eine Basketball-Schulmannschaft gründeten, wurde ich infiziert und habe die Sportart gewechselt.

BLAUROT! Der Bonner SC ist mit dem Aufstieg in die Regionalliga West auf dem Weg, sich auch wieder überregional einen Namen zu machen. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung des BSC in Richtung Profitum?

WIEDLICH Das kann ich nicht beurteilen, aber wenn mein sehr bescheidenes Fußballwissen stimmt, ist das Vorrücken von Liga zu Liga im Fußball wirtschaftlich schwieriger als im Basketball, weil man schon in unteren Ligen schlichtweg mehr Geld benötigt. Sportlicher Erfolg ist zwar für die Identifikation vor Ort unverzichtbar, aber man darf nie die Gesamtentwicklung des Clubs aus dem Auge verlieren. Die Infrastruktur muss immer mitwachsen, was nur gelingt, wenn nicht jeder verfügbare Euro ins Team investiert wird. Das ist allerdings leichter gesagt als umgesetzt, ich erinnere mich da noch sehr gut an die Anfangsjahre der Telekom Baskets Bonn. Fans interessiert nur der Tabellenplatz und die sportliche Performance, aber Sponsoren sind auch an der Qualität der Club-Infrastruktur interessiert.

BLAUROT! In der letzten Saison des Bonner SC konnten Dauerkarteninhaber der Telekom Baskets ein Heimspiel im Sportpark Nord gratis besuchen. Bleibt dies eine einmalige Aktion oder sehen Sie die Möglichkeit einer intensiveren Kooperation zwischen den beiden Vereinen?

WIEDLICH Grundsätzlich ja, aber wir haben eine sehr enttäuschende Saison hinter uns und sind deshalb verständlicherweise gerade sehr mit uns selbst beschäftigt.

BLAUROT! Viele Bonner sehen derzeit erhebliches Konfliktpotential zwischen Sport und Kultur in Bonn. Wie bewerten Sie den allgemeinen Stellenwert des Sports in unserer Stadt?

WIEDLICH Es gibt keinen Verteilungskonflikt zwischen Sport und Kultur, sondern eine Art Gerechtigkeitslücke zwischen der sogenannten Hochkultur und dem großen Rest der Habenichtse, wozu unter anderem der Sport, aber auch die freie Kulturszene und viele Andere gehören. Die städtischen Förderbeträge für die Hochkultur liegen Lichtjahre vom großen Rest entfernt, insofern kann der Slogan „Sportstadt Bonn“ nur eine Marketingzeile sein. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Stadt wenigstens die Nachwuchsarbeit, egal in welcher Sportart, spürbarer fördert.

BLAUROT! Was wünschen Sie dem Bonner SC für die laufende Saison?

WIEDLICH Dass er durch großen Kampf und solide Leistungen auf dem Rasen viele Zuschauer gewinnt. Es hilft zudem, wenn die öffentlich ausgerufenen sportlichen Ziele realistisch sind, sonst programmiert man nur Frust bei den Fans. Aber die ersten Spiele sind ja sensationell gut verlaufen.

Wir bedanken uns bei Herrn Wiedlich für die Beantwortung unserer Fragen.

zur Person:

Präsident Wolfgang Wiedlich - Credits: Wolterfoto.de
Präsident Wolfgang Wiedlich – Credits: Wolterfoto.de

Wolfgang Wiedlich (60) engagiert sich seit 37 Jahren im Bonner Basketball. Seit 1998 ist er Präsident des Telekom Baskets Bonn e.V. und seit 2004 Geschäftsführer der BonBas GmbH, die den Bundesligabereich sowie den clubeigenen Telekom Dome managt. Wiedlich ist Redaktionsleiter beim General-Anzeiger, verheiratet und hat zwei Söhne.

Titelfoto – Wolterfoto.de

Torsten

Geboren in Bonn und aufgewachsen in Bonn und Italien tingelte der Autor durch die Welt, lebte in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Köln und Berlin und kehrte 2003 mit viel Heimweh zurück in seine wunderschöne Heimatstadt. Inmitten einer großen Patchworkfamilie mit zwei wundervollen Kindern kümmert er sich um Meine-Altstadt-Bonn.de. Wenn er nicht skifahren ist...

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