In eigener Sache – das Kirschblütenfest 2016

Wir, Torsten und Frauke, haben als Privatpersonen und langjährige und leidenschaftliche Bewohner der Altstadt Anfang 2015 den Blog www.meine-altstadt-bonn.de gestartet, um dem vielfältigen kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Bonner Altstadt eine Plattform zu geben. Wir möchten zeigen, dass Bonn – und die Altstadt im Besonderen – eine lebenswerte, bunte Stadt mit vielen Facetten ist.

Hier ist jede Menge los, charmante Kneipen und kleine Läden bilden einen Kontrapunkt zum doch eher einheitlichen gewerblichen Bild der Innenstadt, zahlreiche Veranstaltungen zeugen von enormer Kreativität im Viertel und die besondere Architektur und die gemischte Bevölkerungsstruktur sind einfach nur liebenswert. Eröffnet ein neues Restaurant oder ein neues Geschäft in der Altstadt, berichten wir gerne darüber, in unserem Veranstaltungskalender und unserem Wochenendüberblick halten wir unsere Leser über das, was in der Altstadt passiert, auf dem Laufenden. Und auch soziale Themen greifen wir gern auf, den Frankenbadplatz als wichtigen Ort des Austauschs in der Bonner Altstadt oder die Diskussionen über die Seniorenbegegnungsstätte im Blumenhof im letzten Jahr, um wenige Beispiele zu nennen. Das macht großen Spaß, nimmt aber natürlich auch viel Zeit in Anspruch – Geld verdienen tun wir mit Meine Altstadt nicht.

Schon im letzten Jahr haben wir auch die Kirschblüte und das Kirschblütenfest in unserem Blog medial begleitet. Die Kirschblüte und das Fest haben sich in den letzten Jahren zu einer großen touristischen Attraktion entwickelt, Anfragen aus allen möglichen Ländern und ein großes mediales Interesse zeigen dies. Nach den hohen Besucherzahlen beim Kirschblütenfest 2015 wurde klar, dass die Organisation in Zukunft etwas anders aufgestellt werden muss. So hat sich gezeigt, dass ohne eine Sperrung der Straßen in Zukunft die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet werden kann, viele Gastronomen waren schnell „leergefuttert“, es fehlte an Infrastruktur – all dies bedeutet einen hohen organisatorischen Mehraufwand, die die Altstadtiniative Bonn e.V. als früherer Veranstalter nicht mehr ehrenamtlich leisten konnte und wollte, da das natürlich auch steigende Kosten bedeutete.

In Absprache mit der Altstadtinitiative hat also die Tourimus&Congress GmbH der Stadt Bonn bei uns angefragt, ob wir uns vorstellen können, das Fest zu veranstalten, da inzwischen auch seitens der Stadt und der Tourismuswirtschaft ein großes Interesse an dem Fest besteht. Und wir haben gern zugesagt, im Bewusstsein, dass wir das volle organisatorische und finanzielle Risiko tragen und jede Menge Arbeit auf uns zukommt. Aber es macht uns riesigen Spaß, wir haben viele Stunden in die Ausarbeitung des Festes investiert, uns überlegt, welche Künstler Bonns kulturelle Vielfalt abbilden und welche jungen Gastronomen aus der Altstadt zeigen können, dass hier auch kulinarisch Einiges geboten wird. Dazu kommen lange Abstimmungen mit den Zuständigen bei der Stadt Bonn bezüglich der Genehmigungen, besonders für den Flohmarkt, und Straßensperrungen, Gespräche mit den beteiligten Akteuren und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Das alles tun wir gerne, weil wir ein wunderbares Fest auf die Beine stellen möchten, das allen Einheimischen und Besuchern in schöner Erinnerung bleibt und von dem alle profitieren, auch um dazu beizutragen, dass die Gewerbe- und Gaststättenstruktur in der Altstadt so einzigartig bleiben kann, wie sie ist und nicht irgendwann das gleiche Schicksal so vieler individueller Läden in der Innenstadt erleidet und internationalen Ketten und Konzernen weichen muss. Die Fixkosten (Gebühren, Versicherung, Gema, Planungsaufwand) für das Fest sind inzwischen sehr hoch und nachdem wir es in diesem Jahr trotz intensiver Akquise leider nicht geschafft haben, große Sponsoren zu finden, die das finanzielle Risiko für uns kalkulierbarer machen könnten, hoffen wir auf die Solidarität der Altstädter – Gastronomen, Gewerbetreibende oder auch Flohmarktstandbetreiber, die vom Fest und der Organisation durch uns profitieren und sich mit einem kleinen Anteil am Ganzen beteiligen – für die Altstadt und nicht primär für uns als Veranstalter.

Grundsätzlich ändert sich auch nicht so viel im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Die Gewerbetreibenden der Breite- und Heerstraße gestalten das Fest mit, Frau Holle wird beispielsweise wie im letzten Jahr ein Konzert am Brunnen ausrichten und Familienkreis bietet ein Kinderprogramm an, darüber hinaus präsentiert die Stadt Bonn anlässlich der Straßensperrung ihre Konzepte zur Fahrradhauptstadt 2020 als Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität in der Stadt. Neu sind die Essensstände auf der Heerstraße bei der Marienschule – bis auf eine Ausnahme aus der Südstadt werden diese von jungen Gastronomen aus der Altstadt betrieben, so präsentiert sich dort die Kaiserhüttn vom Wilhelmsplatz, das Casa Pedro oder auch das Deja Vue, das im letztem Jahr am Kaiser Karl Ring eröffnet hat. Auf der Bühne, die in diesem Jahr nötig ist, da wir bei den vielen erwarteten Besuchern die Musiker nicht mehr auf einer Ebene mit dem Publikum auftreten lassen können, zeigen junge Bonner Hiphop-Künstler, eine Bluesformation, eine türkischsprachige Band aus Köln und ein Sextett des Beethovenorchesters, dass Bonn ein vielfältiges kulturelles Leben zu bieten hat.

Leider sind wir mehrfach missverstanden worden, die Genese bis hin zu uns als Veranstaltern war vielleicht nicht allen deutlich, vielleicht haben wir auch versäumt, Dinge zu kommunizieren, weil wir gar nicht damit gerechnet haben, dass manche Dinge Fragen aufwerfen könnten. Für uns war immer klar  – wir möchten das Fest weder privatisieren noch übermäßig kommerzialisieren, sonst hätten wir auch eine Marktveranstaltung anmelden und Gewerbe von außerhalb zulassen können. Aber die Ausmaße, die das Fest schon im letzten Jahr angenommen hat, machen eine gewisse Monetarisierung notwendig, jemand muss die Verantwortung tragen und das sind jetzt nun einmal wir – weil wir von den ehemaligen Veranstaltern gefragt worden sind. Und natürlich freuen wir uns auch, wenn wir die vielen hundert Stunden, die schon in die Planung des Festes geflossen sind und die Übernahme der alleinigen Verantwortung, auch in gewisser Weise vergütet bekommen, so wie sich alle Beteiligten –  Flohmarktstandbetreiber und Gewerbetreibende –  über einen guten Umsatz an dem Tag freuen, so wie jeder sich über eine Vergütung seiner Arbeit freut.

Wir wissen auch, dass wir nicht alle Interessen gleichermaßen berücksichtigen können und nicht alle Altstädter ganz einverstanden sind mit der Entwicklung, die das Fest genommen hat. Aber Dinge, wie die Besucherströme zur Kirschblüte und zum Fest lassen sich nicht rückgängig machen, Dinge entwickeln sich weiter, Zeiten ändern sich und letztendlich profitieren viele Altstädter von dem Fest – und genau das wünschen wir uns. Wir wollten mit unserer Vorgehensweise niemand verärgern, falls Dinge nicht richtig kommuniziert oder missverstanden worden sind, tut es leid. Wir wollen einzig und allein eine schöne Veranstaltung auf die Beine stellen – von der Altstadt, für die Altstadt und auch für die Stadt Bonn, die lange genug zu Unrecht den Ruf einer langweiligen ehemaligen Hauptstadt gehabt hat.

Und es wäre schön, wenn das allgemeine Urteil über uns als Veranstalter und die kleinen Neuerungen, die wir einführen, erst nach dem Fest gefällt würde.

Alle Fragen zum Flohmarkt mit einer Erläuterung der Notwendigkeit von Standgebühren haben wir noch einmal auf der Webseite des Kirschblütenfestes zusammengefasst. http://kirschbluetenfest-bonn.de/altstadtflohmarkt/

Frauke

Die gebürtige Brilonerin verschlug es vor über zehn Jahren nach Stationen in Australien und Leipzig dorthin, wo sie eigentlich nie hin wollte - ins Rheinland. Und auch nach dem Studium kam die Kulturwissenschaftlerin hier nicht mehr weg. Rückblickend wohl ein Wink des Schicksals, denn inzwischen kann sie sich keinen besseren Ort zum Leben mehr vorstellen als die Bonner Altstadt mit seinen liebenswerten Menschen und Geschichten und dem besonderen Flair. Sauerländerin mit Leib und Seele bleibt sie trotzdem, denn das eine schließt das andere ja nicht aus!

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