Das Frankenbad und der Bürgerentscheid

Da haben wir ihn also, den ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt Bonn. Die jahrelange Diskussion um die Bonner Bäderlandschaft, das im letzten Jahr mehrheitlich beschlossene Bäderkonzept und die damit verbundene Schließung des Kurfürstenbades haben nun dazu geführt, dass die Bürger der Bundesstadt nun bis zum 21. April darüber abstimmen, ob das Kurfürstenbad doch saniert und wieder geöffnet werden soll.

Jahrelange Diskussion um Bonner Bäder

Immer belebt – der Caféroller am Frankenbad

Ein kleines Schwimmbad bewegt die ganze Stadt, und besonders auch die Altstadt. Denn auch die musste im Zuge des Bäderentscheides die beschlossene Schließung des über 50 Jahre alten Frankenbades hinnehmen. Das kann man durchaus bedauern, man kann darüber wütend sein und hoffen, dass in der Causa Frankenbad noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Fakt ist allerdings, dass die Diskussion um die Bonner Bäder nicht erst mit dem Beschluss des Bäderkonzepts begonnen hat, sondern dieses im Gegenteil das Resultat eines ewigen Gezerres um die Schwimmbäder in der Bundesstadt ist, das Bürgermeister hat kommen und gehen sehen, während wenn überhaupt nur das Nötigste an den Bädern repariert oder saniert worden ist. Denn in der Vergangenheit wollte niemand Geld in Bäder stecken, deren Zukunft ungewiss ist. Sogar die Rettung des Frankenbades war unter Jürgen Nimptsch schon einmal beschlossen, wurde allerdings unter eben dieser Regierung nicht umgesetzt.

Die Liste der Beschlüsse, Diskussionen, Positionen ist lang, der jahrelange Stillstand wohl eine Mischung aus politischem Unwillen und wahlkampfbedingten Stimmungsschwankungen angesichts der vielen sanierungsbedürftigen Stadtteilbäder, die ihren Ursprung in Zeiten vor der kommunalen Neuordnung 1969 haben, als Bonn Hauptstadt war und Investitionen in städtische Infrastruktur viel mehr mit Prestige als mit perspektivischer Stadtplanung zu tun. In den meisten der Bäder ist seit Jahrzehnten nichts getan worden, offenbar hoffte man immer, dass sich Probleme mit maroder Heiz- und Schwimmbadtechnik, nicht vorhandener Barrierefreiheit und antiquierter Ausstattung irgendwann von selbst lösen.

Quo vadis, Frankenbad?

Bürgerengagement für blühende Grünflächen

Nun haben wir den Salat. Und natürlich kann man verstehen, dass die Altstädter ihr Frankenbad gern als Schwimmbad in ihrem Viertel der kurzen Wege behalten möchten.  Aber wo war der öffentliche Aufstand, als die beschlossene Sanierung nicht umgesetzt wurde und stattdessen eine Sanierung des Hardtbergbades als neuer Beschluss verankert werden sollte? Wo war der Aufschrei der Schulpflegschaften und Elternvertreter angesichts des immer weiter drohenden Zerfalls des Bades, in dem heute 30 Schulen Schulschwimmen haben? Wo waren die Parteien, die jetzt an vorderster Front für den Erhalt aller Stadtteilbäder kämpfen, als Bürger 2014 den Antrag stellten, den Ratsbeschluss aus 2013 umzusetzen, das Frankenbad als erstes Hallenbad zu sanieren? Wo waren die Retter des Kurfürstenbades in Zeiten, in denen man sich hätte effektiv und kooperativ mit der Stadtverwaltung für vernünftige Lösungen hätte einsetzen können? Anscheinend woanders. Und nun, wo ein Bäderkonzept beschlossen wurde, das Kompromisse und Zugeständnisse von den einen verlangt, aber auch eine breite Unterstützung derjenigen erfährt, die quasi berufsmäßig wohl die beste Einschätzung des Bedarfs haben, den Sportlern, springen alle auf den Zug der Godesberger Kurfürstenbadunterstützer auf und wittern die große Revolution.

Zweifelhafte Argumente

Ärgerlich an der Sache ist, dass von den Kurfürstenbadunterstützern und ihren Mitstreitern in der Altstadt, die Seite an Seite gegen „die da oben“ kämpfen, mit abgekürzten Kausalketten und schlichtweg falschen, aber zugegebenermaßen attraktiv klingenden Argumenten Stimmung in der Bevölkerung gemacht wird. Die Bürger, die verständlicherweise in der ganzen Diskussion etwas den Überblick verloren haben oder ihn nie haben wollten, machen sie glauben, es wäre unumstößlich, dass mit dem Ja für das Kurfürstenbad im Bürgerentscheid automatisch auch der Schwimmbetrieb im Frankenbad gerettet ist. Diesen Zusammenhang gibt es schlichtweg nicht. Denn der Bürgerentscheid geht nur um das Kurfürstenbad, das Frankenbad ist mit keinem Wort erwähnt.

Bäderkonzept beinhaltet die denkmalgerechte Sanierung des Baudenkmals

umgenutztes Bad in Wolfsburg: www.hallenbad.de

Stattdessen wird mit dem Bürgerentscheid am mehrheitlich vom Rat beschlossenen Bäderkonzept gerüttelt und die meisten wissen wohl nicht, dass dieses Bäderkonzept nicht nur den Bau eines neuen Kombibades an zentraler Stelle im Wasserland und die Schließung des Schwimmbetriebes in Kurfürsten- und Frankenbad beinhaltet, sondern eben auch die Sanierung der Beueler Bütt und des Hardtbergbades. Am wichtigsten für die Altstadt ist aber sicherlich der ebenfalls beinhaltete Beschluss der denkmalgerechten Sanierung des Frankenbades und des Vorplatzes inklusive eines mit der Bürgerschaft abgestimmten Folgenutzungskonzept im kulturellen und sozialen Bereich, das sicherstellen soll, dass das Bauensemble in seiner für die Altstadt so wichtigen sozialen Funktion erhalten bleibt (hier findet ihr ein Beispiel, wie erfolgreich und fruchtbar für eine Nachbarschaft ein Folgekonzept sein kann).

Ja im Bürgerentscheid gefährdet die beschlossene Sanierung

Auch dieser Beschluss würde mit einer wie auch immer gearteten Neuauflage des Bäderkonzepts gefährdet, denn muss das Kurfürstenbad qua Bürgerentscheid saniert werden, wäre von den eingeplanten 26 Millionen für die unterschiedlichen Sanierungsmaßnahmen ziemlich wahrscheinlich nicht mehr genug übrig, um auch den Schwimmbetrieb in Hardtbergbad und Beueler Bütt durch eine Sanierung weiterhin aufrecht zu erhalten.

Das Frankenbad am frühen Morgen

Denn auch wenn es manchmal den Anschein hat, so vermehren sich öffentliche Gelder nicht über Nacht, nur weil plötzlich ein anderer Bedarf da ist. Zumindest nicht bei so wenig prestigeträchtigen Bauten wie maroden Schwimmbädern aus den sechziger Jahren.

Angesichts der das Frankenbad betreffenden Ratsbeschlüsse der letzten Jahre und der Erfahrungen aus der Vergangenheit, was das Unterlassen von grundlegenden Sanierungsmaßnahmen in Anbetracht einer unklaren Bädersituation angeht, ist realistischer Weise zu befürchten, dass maximal ein paar Euro in die Beschaffung von dringend notwendigen Ersatzteilen, gern auch über Ebay, gesteckt werden, um den Schwimmbetrieb im Frankenbad mehr schlecht als recht aufrecht zu erhalten. Die dringend notwendige denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes und des Platzes würde wegfallen und es steht zu befürchten, dass der alte Kasten deshalb irgendwann so marode ist, dass selbst die Denkmalschutzbehörden einknicken, einen Abriss genehmigen und die Bewohner der Altstadt sich in nicht so ferner Zukunft an lauen Sommerabend auf dem Parkplatz eines Ärztehauses oder eines Baumarkts gesellig zusammenfinden werden müssen.

Sommerliches Miteinander auf dem Frankenbadplatz

Niemand will den Godesberger das Recht nehmen, für ihr Schwimmbad zu kämpfen, aber ein Ja für das Kurfürstenbad heißt entgegen der teils recht populistischen Behauptungen kein automatisches Ja für das Frankenbad und erst recht nicht für den Schwimmbetrieb, sondern bedeutet ganz im Gegenteil eher den mittelfristigen Todesstoß für das Frankenbad.

Dann doch lieber ein Nutzungskonzept, dass die Interessen möglichst breiter Bevölkerungsschichten berücksichtigt, Raum für Vielfalt, Alt und Jung, künstlerisch oder vereinsmeierisch, geschäftig oder faulenzend bietet. Ob Schwimmbadbefürworter oder nicht, die heterogenen Altstädter eint doch wahrscheinlich das, was sie auf gar keinen Fall wollen. Und das wäre der Verlust unseres Marktplatzes, unserer so wichtigen Treffpunkts.

 

Frauke

Die gebürtige Brilonerin verschlug es vor über zehn Jahren nach Stationen in Australien und Leipzig dorthin, wo sie eigentlich nie hin wollte - ins Rheinland. Und auch nach dem Studium kam die Kulturwissenschaftlerin hier nicht mehr weg. Rückblickend wohl ein Wink des Schicksals, denn inzwischen kann sie sich keinen besseren Ort zum Leben mehr vorstellen als die Bonner Altstadt mit seinen liebenswerten Menschen und Geschichten und dem besonderen Flair. Sauerländerin mit Leib und Seele bleibt sie trotzdem, denn das eine schließt das andere ja nicht aus!

24 Kommentare

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    • Hintergrundinformationen habe ich leider keine gefunden. Allein die Behauptung, dass eine Sanierung der bestehenden Bäder teurer ist, als ein neues Freizeitbad zu bauen lese ich da heraus. Das ist leider eine Behauptung, die nicht mit Fakten untermauert wird.

    • Naja, der Bürgerentscheid kam halt vor der Beauftragung der Kostenberechnung. Aber soviel ist sicher: Als kommunales Geschäftsmodell bietet das neue Schwimmbad kostensparende Effekte und Synergien. In Bonn existieren derzeit mehrere Hallen-, ein Kombi- und fünf Freibäder. Die Bäder sind inzwischen unterschiedlich sanierungsbedürftig, so dass zur Aufrechterhaltung des Badebetriebes hohe Investitionen anstehen. Unbefriedigende und sinkende Besucherzahlen in einigen Bädern sowie hohe Betriebskosten belasten den Haushalt der Stadt.
      Die Projektplanung des neuen Schwimmbads sieht einen detaillierten, langfristig verlässlichen Businessplan vor, der dem Stadtrat und den Aufsichtsräten Ende 2017 zur Freigabe vorlegt wird.
      Außerdem sind die Betriebskosten ein wesentlicher Kostentreiber von Bädern, die stark vom Energiebedarf beeinflusst werden. Ein neues, hocheffizientes Schwimmbad wird aufgrund einer modernen und energiesparenden Bauweise Vorteile gegenüber dem Betrieb älterer Bäder haben. Darüber hinaus wird das Bad in unmittelbarer Nähe zum Heizkraftwerk gebaut, wodurch sich viele Synergien entwickeln (s. Klimaschutz) Somit wird das neue Schwimmbad neben den wirtschaftlichen Vorteilen im Betrieb auch einen Beitrag zum „Masterplan Energiewende und Klimaschutz“ der Bundesstadt Bonn leisten und die Nachhaltigkeitsziele der Stadt unterstützen.
      Zur Wirtschaftlichkeit wird auch die moderne Saunalandschaft betragen. Hier soll ein bisher in Bonn fehlendes Angebot geschaffen werden. Die Attraktivität einer modernen Saunalandschaft gepaart mit einem Gastronomiekonzept wird die Wirtschaftlichkeit weiter stärken.

    • …und daher ist es auch unseriös ein neues Bad zu versprechen, von dem niemand weiß, was es kosten wird. Und auf eben diesem neuen Bad beruht das im Artikel verteidigte Bäderkonzept. Wenn ich mir nun anschaue, wie überstürzt die Überdachung des Friesdorfer Bades letzte Woche beschlossen wurde fällt es mir schwer von einem “Konzept” zu sprechen, nachdem die Stadt handelt. Im kleinsten Bad Bonns werden nun 1,2-1,5 (oder noch mehr) € verbraten. Dieses Geld fehlt nun wirklich bei der Sanierung der übrigen Bäder.

  • Ich sage folgendes als Sauerländer, der seit fast 50 Jahren in Bonn lebt und das Lebenswerte und Liebenswerte hier immer noch sehr genießt. Bezüglich des kulturellen Bereichs sind wir uns sicher einig, dass das eine Säule einer gut durchwebten Stadtgesellschaft ist. Und das die etwas kostet, ist auch klar. Aber wir haben hier Ausschläge, die z.T. nur noch schwer zu vermitteln sind, wenn es um das Sparen geht. Dass das Deutsche Museum evtl. vor einer Rettung steht, ist sehr zu begrüßen, weil es auch für Kinder und Jugendliche ganz wichtig zum Verstehen der Welt ist.
    Zum Wasser. Dass in der Vergangenheit der Aufschrei der Bevölkerung nicht zu hören war, betrifft uns alle, auch die Frankenbadfreunde “trocken”. Da muss jeder den Finger auf sich richten. Heißt aber nicht, dass eine Erkenntnis, auch wenn sie spät kommt, nicht seine Berechtigung hätte. Bei uns (Kurfürstenbad-Initiative) hat das Fass die aggressive Zentralisierung durch die Stadt zum Überlaufen gebracht. Da waren für sehr viele Menschen zunächst die zusammengelegten Bürgerdienste mit allen negativen Folgen, inklusive den Mehrkosten in der Verwaltung statt der versprochenen Einsparung. Dann folgte der Angang der erweiterten Bäderschließung durch ein angebliches Bäderkonzept. Hintergrund für die Stadt ist die Personaleinsparung. Kann man verstehen. Der mit den SSF gemachte Vertrag für den Sportpark Nord verringert für die Stadt die Personalkosten, hält sie aber weiterhin in der Verpflichtung der Gebäude- und Technikerhaltung und für die Reinigung(!). Ein schöner Vertrag. Damit könnte man auch z.B. das Kurfürstenbad und das Frankenbad betreiben. Andere Städte in Deutschland haben diese Variante bereits vorgemacht und praktizieren sie mit Erfolg, weil ein bürger-orientierter Betreiber ganz anders auf die Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren kann als eine nach eigenen Gesetzen arbeitende Verwaltung.
    Was bei Ihnen im Vordergrund steht ist der kulturelle Aspekt, der, wie oben schon angesprochen, wichtig ist, aber es gibt in einer Stadtgesellschaft andere Aspekte, die mindestens ebenso wichtig sind. Gerade im Bonner Norden gibt es eine stark wachsende Bevölkerung, für die zwar auch kulturelles Erleben möglich sein muss, aber fast noch wichtiger ist die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, der Integration, der Prävention, des Sich-Wohl-Fühlens in bezahlbaren Räumen. Dazu gehören Sportvereine als ganz wesentlicher Bestandteil für stabile Stadtgesellschaften und eben auch Schwimmbäder, die leistungsorientiertes, aber auch einfach unbeschwertes Freizeitvergnügen zu bezahlbaren Preisen ermöglichen. Hinzu kommt – und da nähern wir uns wieder der Kultur – reicht es nicht aus, über das Element Wasser im Unterricht etwas zu lernen, wichtiger ist, dass alle Kinder und Jugendlichen das Element Wasser in seinen verschiedenen Dimensionen erfahren und so Entwicklungen, auch globale, besser einordnen und beurteilen zu können.
    Ein anderer Aspekt sind ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Für sie ist die Bewegung im Wasser eine ganz wichtige Komponente zur Gesunderhaltung. Ein Spaßbad erfüllt da bei sehr vielen Menschen nicht diese Anforderungen.
    Nun dem von Ihnen unterstützten Zentralbad-Bau. Das Zentralbad würde in „unattraktiver Umgebung und mit hoher Lärmfrequenz“ (Stadt) auf einer ehemaligen Mülldeponie gebaut werden. Die Immessionen (Tief-Grund-Ton-Vibrationen) des Heiz-Kraft-Werks haben bereits zum Scheitern des Wohnprojektes neben dem HKW in südlicher Richtung geführt. Die SWB haben ihren Antrag auf Erweiterung erneut gestellt, so dass die Immessionen neben dem HKW in nördlicher Richtung für den „Gesundheitsstandort Zentralbad“ nicht weniger, sondern eher mehr werden.

    Die Verkehrsinfarkt-Situation und das z.T. problematische Klima in Bonn sind ein weiterer Aspekt, der dagegen spricht, im Durchschnitt 1500 Besucher zu diesem Badstandort holen zu wollen, mit 400 Parkplätzen. Hierzu kann Ihnen z.B. der BUND (Kreisgruppe Bonn) sehr detaillierte Antworten geben. Oder einfach bei Facebook unter „Ja zum Kurfürstenbad“ reinschauen.
    Zum Abschluss: Es ist immer Geld vorhanden. Es kommt nur darauf an, wofür es ausgegeben wird. Siehe aktuell die Werbekampagnen von Herrn Sridahan aus dem städtischen Haushalt und die der SWB.

  • @ari: aber ist eine “Denkmal”-gerechte Sanierung denn so toll? Ich finde den Kasten jetzt nicht so schützenswürdig, eine grüne Oase wäre mir da lieber – und vermutlich auch günstiger als von Denkmalschützern jedes steinchen umdrehen zu lassen…. Da denke ich an die”Retter” der Beethovenhalle und mir kommt die galle hoch….ist natürlich ganz subjektiv….

  • Vielen Dank für diesen Artikel, der endlich mal Ordnung in das Sammelsorium widersprüchlicher Behauptungen in den sozialen Medien bringt. Hier wurde endlich mal zuende gedacht 🙂

  • Das ist ja noch Zukunftsmusik und das Gebäude finde ich definitiv auch nicht toll. Aber das hat jetzt direkt mit dem Bürgerentscheid ja nichts zu tun….

  • Was mich am meisten stört ist, dass beklagt wird, das Gelder fehlen würden, wenn das Kurfürstenbad saniert wird. Dabei verschweigt ihr, dass das neue Freizeitbad eine Summe kosten wird, die niemand kennt. Diese Zig-Millionen scheinen einfach so verfügbar zu sein, dabei ist völlig unklar wie der Neubau den Stadthaushalt belasten würde. Vorgehalten wird den Befürwortern des Burgerentscheids, dass sie sagen, das Frankenbad würde auf jeden Fall als Schwimmbad erhalten bleiben. Ich sage es hier nochmal: Das Frankenbad wird 100%ig schließen, wenn der Entscheid abgelehnt wird. Die auf Prestigebauten ausgelegte Stadtpolitik, die im Artikel angeprangert wird, geht munter weiter.

    • Um wann kürzer zu fassen: Weil das neue Freizeitbad kostenlos ist (im Gegensatz zur Sanierung des Kurfürstenbades), gibt es genug Geld für eine sinnvolle Nachnutzung des Frankenbades. Interessante Darstellung.

    • Als kommunales Geschäftsmodell bietet das neue Schwimmbad kostensparende Effekte und Synergien. In Bonn existieren derzeit mehrere Hallen-, ein Kombi- und fünf Freibäder. Die Bäder sind inzwischen unterschiedlich sanierungsbedürftig, so dass zur Aufrechterhaltung des Badebetriebes hohe Investitionen anstehen. Unbefriedigende und sinkende Besucherzahlen in einigen Bädern sowie hohe Betriebskosten belasten den Haushalt der Stadt.
      Die Projektplanung des neuen Schwimmbads sieht einen detaillierten, langfristig verlässlichen Businessplan vor, der dem Stadtrat und den Aufsichtsräten Ende 2017 zur Freigabe vorlegt wird.
      Außerdem sind die Betriebskosten ein wesentlicher Kostentreiber von Bädern, die stark vom Energiebedarf beeinflusst werden. Ein neues, hocheffizientes Schwimmbad wird aufgrund einer modernen und energiesparenden Bauweise Vorteile gegenüber dem Betrieb älterer Bäder haben. Darüber hinaus wird das Bad in unmittelbarer Nähe zum Heizkraftwerk gebaut, wodurch sich viele Synergien entwickeln (s. Klimaschutz) Somit wird das neue Schwimmbad neben den wirtschaftlichen Vorteilen im Betrieb auch einen Beitrag zum „Masterplan Energiewende und Klimaschutz“ der Bundesstadt Bonn leisten und die Nachhaltigkeitsziele der Stadt unterstützen.
      Zur Wirtschaftlichkeit wird auch die moderne Saunalandschaft betragen. Hier soll ein bisher in Bonn fehlendes Angebot geschaffen werden. Die Attraktivität einer modernen Saunalandschaft gepaart mit einem Gastronomiekonzept wird die Wirtschaftlichkeit weiter stärken.

  • Traurig, wie hier gegen die verbliebene Chance argumentiert wird, das Frankenbad als Schwimmbad zu erhalten und damit auch den Vorplatz. Wenn dann noch von “verkürzten Kausalketten und schlichtweg falschen Argumenten” geschrieben wird, dann muss doch eine Falschaussage des Artikels klargestellt werden: Dass die Sanierung des Frankenbad(gebäudes) beschlossene Sache ist, ist falsch. Hier können alle die Beschlusslage des Rates nachlesen (Ziff. 3.3): http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/16/1612541EB5.pdf. Darin heißt es windelweich “Es ist das erklärte Ziel, das Baudenkmal Frankenbad soweit wie möglich (!) zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.” Wieviel das als politische Absichtserklärung wert ist, mögen alle auch angesichts der Versprechungen der politischen Parteien (insbesondere Grüne) bewerten, die mehrfach den Erhalt gerade als Schwimmbad versprochen hatten. Dafür standen zwischenzeitlich sogar Gelder bereit, die nie eingesetzt wurden. Für die Sanierung der Gebäudehülle sehen die Haushaltspläne derzeit überhaupt kein Geld vor. Beleg hier: https://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/16/1613765ST3.pdf. Kurzum: Was mit dem Frankenbad und dem Vorplatz nach Schließung geschieht steht in den Sternen, eine Sanierung des Gebäudes ist keineswegs ausgemacht, wie im Artikel suggeriert wird. Natürlich droht hier auch Neubebauung und Kommerzialisierung. Richtig ist natürlich, dass es keine zwingende Rettung des Frankenbades gibt, wenn man im Bürgerentscheid für das Kurfürstenbad stimmt. Aber wer die Debatte und die Argumente des OB und der schwarzgelbgrünen Ratsmehrheit verfolgt, der kann doch sehen, dass hier der Plan zur Abstimmung steht, Stadtteilbäder zu Gunsten eines Zentralbades in Dottendorf zu schließen. Es ist sogar Beschlsslage des Rates, bei eine, Erfolg des Bürgerbegehrens das Zentralisierungspaket neu aufzuschnüren. Deshalb ist es völlig richtig: Wer die beschlossene Schließung des Frankenbades nicht will und vielmehr ein neues, dezentrales Bäderkonzept mit Erhalt des Frankenbades, die/der stimmt mit Ja!

  • In diesem Beitrag wurde ja auch erwähnt, dass es bereits viele Beschlüsse zum Erhalt des Frankenbads gab. Man könnte auch sagen: Die Beschlüsse der Stadt Bonn sind das Papier nicht wert auf denen sie gedruckt sind. Allein deswegen, hege ich große Zweifel am Versprechen von CDU, FDP und GRÜNEN das Frankenbad als Gebäude dauerhaft zu erhalten. Zumal die für 2016 bewilligten Mittel für die Dachsanierung wieder eingefroren wurden. Nach meinem Verständnis dient eine Dachsanierung dem Erhalt des Gebäudes und hat nichts mit der Aufrechterhaltung der Funktionalität eines Bades zu tun. Ein denkmalgeschütztes Gebäude einer anderen Nutzung zuzuführen, ist durchaus auch teuer. Und ich frage mich, woher in Zeiten klammer Kassen hierfür die Mittel kommen sollen. Frau Duisberg vom Städtischen Gebäudemanagement hat im November zu den vielen maroden städtischen Gebäuden noch gesagt: „Ein Ausweg werde am Ende wohl sein, dass sich Bonn (…) von Häusern trennen müsse – auch wenn es weh tut.“ Wer die letzte Ratssitzung aufmerksam verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass bei CDU, FDP und GRÜNEN eher der Frankenbadvorplatz und weniger das Gebäude im Fokus stand. Skepsis ist durchaus angebracht.

  • Sehr verwunderlich, dass ein verein gegründet wird, der sich die Freunde des Frankenbades nennt, der nichts eiligeres zu tun hat, selbiges zu schließen. Statt zu schauen, welche Möglichkeiten im dual use, sprich Schwimmbad und Stadtteilzentrum o.ä. zu realisieren wären, kann der Verein “Freunde des Frankenbades” die Schließung gar nicht abwarten. Auch ist es illusorisch, zu glauben, ein Frankenbad und sein Vorplatz wären als öffentlicher Raum zu halten, wenn das Schwimmbad nicht mehr da ist. Auch scheint keine wirkliche Verankerung des Vereins im Viertel gegeben zu sein. Die Menschen in der Altstadt wollen ihr Bad erhalten sehen

  • Danke für die unaufgeregte Zusammenfassung der Problematik. Ein guter Beitrag die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zurück zu verlagern.

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