Mouhcine el Amrani – Alleine aus Marokko nach Bonn

Auftakt zur neuen Serie “Geschichten aus dem Bonner SC”. Wir blicken hinter die Kulissen und stellen Menschen mit besonderen Geschichten vor. Heute: Mouhcine el Amrani.

Mouhcine (Jahrgang 1999) ist in Fez, Marokko, geboren, wo seine Familie heute noch lebt. Er besuchte dort die Schule für einige Jahre und half den Eltern in jungen Jahren auf dem Markt beim Verkauf von Obst und Gemüse. Mouhcine kam schon früh zu Verwandten nach Melilla, einer spanischen Stadt auf dem Nordafrikanischen Kontinent, in der Hoffnung, dass er dort bessere Bedingungen zum Aufwachsen hätte. Nach zwei Jahren gab es interne familiäre Spannungen und Mouhcine wurde in einem Heim untergebracht. In dieser Situation fühlte er sich nicht wohl und er entschied, eigenständig seinem Leben eine neue Richtung zu geben.

2014 machte er sich über Melilla und Tanger auf den Weg nach Europa. Er überquerte als blinder Passagier auf einem Schiff die Meerenge von Gibraltar. Erst als er in Spanien ankam, konnte er über Umwege Kontakt zu seinen Eltern aufnehmen und von seinem Aufenthalt berichten. Er hielt sich einige Zeit in Spanien auf und machte sich dann weiter auf den Weg Richtung Schweden. Mit dem Zug fuhr er bis nach Frankreich, wo er sich für zwei Wochen in Paris aufhielt. Eine Familie, die er dort kennengelernt hatte und bei der er übernachtete, kaufte ihm Ende März 2015 ein Busticket nach Köln. Mit der Situation in Köln komplett überfordert, suchte er ein zufälliges Transportmittel, um „einfach weiter zu kommen“. Er nahm einen Zug bis nach Bonn, wo der allein reisende Minderjährige aussteigen musste, da er kein Ticket hatte. Am Bahnhof Bonn wandte er sich an einen Ordnungshüter und wurde in die Jugendschutzstelle gebracht. Über das Jugendamt der Stadt Bonn wurde eine Betreuung eingerichtet, um dem Jugendlichen eine Unterstützung zu gewährleisten.
Von der Jugendschutzstelle zog er in ein Übergangswohnheim und teilte sich dort ein Zimmer mit einem jungen, erwachsenen Afghanen.

Seit September 2015 besucht er die Internationale Förderklasse des Robert-Wetzlar-Berufskollegs und hat sich sprachlich und auch in vielen anderen Bereichen gut integriert. Im Dezember wurde Mouhcine im Haus einer deutschen Familie aufgenommen. Während seines gesamten Lebens hat Mouhcine an jedem Ort Kontakt über das Fußballspiel gefunden und auch schon als Kind in Fez und in Melilla in Vereinen gespielt. Auf seinem Wunsch und aktiven Bemühen hin, kam es in Bonn schnell zu einem Probetraining beim Bonner SC. Seit Juli 2015 ist Mouhcine fester Bestandteil der U17 des Bonner SC. Auf die Frage, wobei ihm Fußball hilft, sagt er, dass ihm der Sport Freiheit bringt, er kann hier seine Emotionen ausleben und Freunde finden. Interessanter Weise stellt die U17 insgesamt drei Spieler aus Marokko und hat insgesamt 22 Spieler mit Migrationshintergrund. Seine Sprachfertigkeiten hat er auch dank der Anbindungen im Fußballverein schnell weiter vorantreiben können.

Mouhcine ist aus der Sicht der Mannschaft und des Trainerteams ein bemerkenswerter Mensch und Spieler. Durch seine extrem offene, sympathische und humorvolle Umgangsweise ist er einer der Hauptgründe der positiven Stimmung in der Mannschaft. Dazu kommt sein unbändiger Leistungswille, der jedoch immer von Fairness und Sportlichkeit gestützt ist. Diese Einstellung ist ein Spiegelbild seiner bisherigen Lebensgeschichte.

Torsten

Geboren in Bonn und aufgewachsen in Bonn und Italien tingelte der Autor durch die Welt, lebte in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Köln und Berlin und kehrte 2003 mit viel Heimweh zurück in seine wunderschöne Heimatstadt. Inmitten einer großen Patchworkfamilie mit zwei wundervollen Kindern kümmert er sich um Meine-Altstadt-Bonn.de. Wenn er nicht skifahren ist...

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