Interview mit Adis Omerbasic – von Schalke 04 zum BSC

„ICH MÖCHTE MIT DEM BONNER SC
IN DIE REGIONALLIGA AUFSTEIGEN“

Das Fußballspielen lernte er bei der JSG Beuel. Über Bayer 04 Leverkusen und den SV Bergisch Gladbach 09 führte ihn sein Weg bis hin in die Regionalligamannschaft des FC Schalke 04. Sogar für die U21-Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina und in der UEFA-Youth-League hat er gespielt. Nun ist Adis Omerbasic in seine Geburtsstadt Bonn zurückgekehrt. BLAUROT!-Chefreporter Marcel Krahe hat unseren Neuzugang mit der Rückennummer 16 für ein Interview in seiner Wohnung besucht, mit ihm über den Wechsel an den Rhein sowie über seine persönlichen Ziele gesprochen.

csm_BSC_1_Adis_Omerbasic_45deaca7aeAdis, wie geht es dir und wie fühlt es sich an, wieder in Bonn zu sein?
OMERBASIC: Ich fühle mich gut und bin froh, nun wieder einen Verein gefunden zu haben. Es war eine schwere Zeit und ich bin froh, jetzt beim Bonner SC zu sein. Nun habe ich den Fußball wieder „vor der Haustür“, das finde ich super. Wohnen geblieben bin ich immer in Bonn. Fußball gespielt habe ich in der Vergangenheit aber woanders, sodass ich viel gependelt bin.

Zu deiner sportlichen Vergangenheit kommen wir gleich. Lass uns zunächst über die Gegenwart sprechen. Kennst du den einen oder anderen Spieler aus der Mannschaft?
OMERBASIC: Ich kenne Benjamin Nuhi. Mit ihm habe ich bei Bayer 04 Leverkusen zusammengespielt. Markus Wipperfürth kenne ich noch aus Schulzeiten. Am besten kenne ich aber Daniel Somuah, er ist mein Nachbar und hat seine Wohnung sogar direkt bei mir im Gebäude. Das ist ganz angenehm, so war ich nicht komplett neu.

Letztes Jahr ist der BSC knapp am Aufstieg gescheitert. Hast du den sportlichen Werdegang unserer Rheinlöwen eigentlich immer verfolgt?
OMERBASIC: Ja, ich war oft mit Daniel bei Heimspielen im Stadion. Unter anderem auch beim Pokalfinale gegen Viktoria Köln.

Wie ist dein Eindruck von Cheftrainer Daniel Zillken und den anderen Spielern?
OMERBASIC:
Der Trainer kann gut mit jungen Spielern umgehen. Das Training ist nie langweilig und man kann von ihm lernen. Von Spielern wie Lucas Musculus kann man sich aber auch das eine oder andere abgucken, er hat ja immerhin auf hohem Niveau gespielt.

Welche Position spielst du am liebsten?
OMERBASIC:
Ich bin gelernter Rechtsverteidiger. Dort spiele ich am liebsten und diese Position habe ich auch in der Nationalmannschaft gespielt. Meinen Offensivdrang kann ich auf der Außenposition gut ausleben. Hier habe ich meine Stärken. Ich kann aber auch im Mittelfeld spielen.

Omerbasic - Somuah

Du bist nach Leverkusen und Bergisch Gladbach gewechselt, dann zu Schalke 04. Wie kamen diese Wechsel zustande?
OMERBASIC:
Ich habe am DFB-Stützpunkt in Bonn gespielt. Da war auch ein Talentscout von Bayer 04 Leverkusen anwesend. Er kam nach einem Spiel zu mir und wollte meine Telefonnummer haben. Kurze Zeit später kam der Anruf und die Einladung zum Probetraining. Ich habe dort dreimal mittrainiert, dann wurde ich bei Bayer 04 angenommen. In Leverkusen habe ich von der U13 bis zur U15 gespielt. Aufgrund einer zweimonatigen Verletzungspause sollte ich dann für eine gewisse Zeit bei Bergisch Gladbach mittrainieren, mit denen die Leverkusener einer Kooperation hatten. Aus dem ursprünglich geplanten Jahr wurden zwei, dann sollte ich zurück. Bei einem Spiel gegen Schalke wiederholte sich dann die Geschichte. Ein Scout der Königsblauen lud mich zum Probetraining nach Gelsenkirchen ein. Nach drei Trainingseinheiten wechselte ich in den Ruhrpott.

Unterscheidet sich der Alltag bei Amateurmannschaften von Proficlubs von dem bei kleineren Vereinen?
OMERBASIC:
Bei Profimannschaften wie zum Beispiel in meiner Zeit bei Schalke 04 hatten wir die Möglichkeit, manchmal mit den Profis zu trainieren. Ich habe an Einheiten von Jens Keller und Roberto di Matteo teilgenommen. Bei angespannter Personallage bestand immer die Möglichkeit, in die Bundesligamannschaft berufen zu werden. Die Trainingsbedingungen dort sind aber natürlich auch hervorragend, keine Frage.

Mit der U19 von Schalke 04 hast du an der UEFA-Youth-League teilgenommen. Welche Erinnerungen hast du an diese Zeit?
OMERBASIC:
Wir sind immer mit den Profis mitgeflogen und haben uns mit den Jugendmannschaften der anderen Vereine gemessen. Wir haben mittags gespielt, die Profis abends. Ich war in Basel, Bukarest und London unterwegs, je nachdem, was die Auslosung für die Profis ergeben hat.

Dann kam der Kreuzbandriss im letzten Jahr der U19. Hat dich das zurückgeworfen?
OMERBASIC:
Auf jeden Fall. Ich bin neun Monate ausgefallen. Das hat mich im Prinzip die komplette Hinrunde gekostet, in der ich eigentlich schon für die zweite Mannschaft spielen sollte. Eine wichtige Zeit, welche ich verpasst habe. So hatte ich nur die Rückrunde. Ich hatte dann noch ein halbes Jahr Vertrag bei Schalke 04 und habe noch ein paar Mal gespielt. Dann bin ich zur Nationalmannschaft gegangen. Als ich wiederkam, habe ich plötzlich nicht mehr gespielt. Ich weiß bis heute nicht, warum. Mein Trainer sagte mir nur, dass er nicht mehr mit mir plane. Ohne Grund, obwohl ich immer meine Leistung gebracht habe.

adis1Länderspiele für die U21 von Bosnien und Herzegowina zu absolvieren, davon träumen viele Nachwuchsspieler. Macht dich das auch ein bisschen stolz?
OMERBASIC:
Absolut! Meine Eltern kommen von dort. Ich habe ab der U17 für die Nationalmannschaft gespielt und Qualifikationsspiele absolviert. Die U19 habe ich ausgesetzt, weil ich mich voll auf Schalke 04 konzentrieren wollte. In der U21 habe ich zwei Länderspiele gegen die Türkei und die USA gemacht. Außerdem habe ich gegen Norwegen 90 Minuten gespielt. In diesem Spiel waren 5000 bis 6000 Fans auf der Tribüne, dass war etwas besonders für mich.

Du hattest dann ein halbes Jahr keinen Verein. Wie sucht man sich als Fußballspieler dann einen neuen Verein?
OMERBASIC:
Mein Berater hat nach einem neuen Verein für mich Ausschau gehalten. Mal trainiert man hier mit, dann wieder woanders. Ich hatte ein Angebot aus Wattenscheid vorliegen. Dort wurde aber um den Abstieg gespielt, deswegen habe ich gezögert. Die Möglichkeit hier beim Bonner SC zu spielen hat mir direkt zugesagt. Ich bin hier geboren und sehe eine sportliche Perspektive für mich.

Letzten Sonntag in Herkenrath hast du direkt von Anfang an gespielt. Warst du mit deiner Leistung zufrieden?
OMERBASIC:
Ich war mir gar nicht sicher, ob der Trainer mir direkt das Vertrauen schenkt. Als ich wusste, ich werde spielen, habe ich mich dann natürlich sehr gefreut. Wir haben insgesamt ein gutes Spiel gemacht. Mein Debüt im Trikot der Rheinlöwen war in Ordnung, ich habe aber noch mehr drauf. Das möchte ich auch in Zukunft beweisen.

Wie siehst du deine Zukunft im Team und welche persönlichen Ziele hast du?
OMERBASIC:
Ich möchte mit dem BSC in die Regionalliga aufsteigen. Alle hier wollen das. Dafür arbeite ich, wie alle anderen auch, hart an mir. Ich möchte mich weiterentwickeln und der Mannschaft mit meinen Fähigkeiten helfen.

Vieles spricht aus sportlicher Sichtweise in dieser Saison für den Aufstieg. Aber auch in allen anderen Bereichen des Vereins ist viel Engagement und eine fortschreitende Professionalisierung zu spüren. Der Bonner SC ist ein Traditionsverein mit einem schönen Stadion und großem Fanpotential. Kann sich der BSC mittel- oder langfristig gesehen in der Regionalliga etablieren?
OMERBASIC:
Der Sportpark Nord ist meiner Meinung nach ein Stadion für die 3. Bundesliga. Das ganze Umfeld gefällt mir gut. Beim Nachholspiel gegen Viktoria Arnoldsweiler waren 400 Zuschauer da. Ich finde das schon super. Bei Regionalligaspielen von Schalke 04 waren manchmal auch nur 200 Zuschauer da. Hauptsache die Stimmung ist gut. Sportlich gesehen konnten wir in Spielen wie gegen Viktoria Köln oder Fortuna Düsseldorf II mithalten. Es hat natürlich noch etwas gefehlt. Wichtig ist es, konstante Leistungen zu bringen. Dann wäre der Klassenerhalt für den BSC möglich.

Was machst du in deiner Freizeit gerne, wenn mal kein Training oder Spiel auf dem Programm steht?
OMERBASIC:
Ich mache individuelles Training mit Mustafa Arslanovic, der ja auch mal hier beim BSC und sogar in der Serie A in Italien gespielt hat. Ansonsten gehe ich gerne mit Freunden weg und unternehme etwas mit ihnen.

Hast du ein sportliches Vorbild und einen nationalen beziehnungsweise internationalen Lieblingsverein?
OMERBASIC:
Auf Vereinsebene bin ich da eher neutral. Ich bin aber ein Fan der Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina. Edin Dzeko finde ich super.

Machst du neben dem Fußball eigentlich noch etwas anderes?
OMERBASIC:
Ich habe Fachabitur gemacht und konzentriere mich jetzt voll auf den Fußball. Wenn ich irgendwann feststellen sollte, es klappt nicht, muss ich mir Gedanken machen. Ich habe mit dem BSC aber noch viel vor und mein Blick ist nach vorne gerichtet.

Das Interview führte Marcel Krahe
Bilder: Marcel Krahe

Blaurot! Das Stadionmagazin des Bonner SC

 

Torsten

Geboren in Bonn und aufgewachsen in Bonn und Italien tingelte der Autor durch die Welt, lebte in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Köln und Berlin und kehrte 2003 mit viel Heimweh zurück in seine wunderschöne Heimatstadt. Inmitten einer großen Patchworkfamilie mit zwei wundervollen Kindern kümmert er sich um Meine-Altstadt-Bonn.de. Wenn er nicht skifahren ist...

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